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Ganzjahresreifen vs. Winterreifen: Rentieren sich Winterreifen überhaupt noch?

by Peter Ullmann

Wann muss ich in Deutschland mit Winterreifen fahren? Woran erkenne ich einen Winterreifen? Wie lagere ich Reifen richtig? Wieviel Profil ist noch erlaubt? Rentieren sich Winterreifen überhaupt? Kann ich stattdessen auch auf Allwetterreifen bzw. Ganzjahresreifen zurückgreifen?

Fragen über Fragen und wir liefern euch die Antworten.

M+S oder Schneeflockensymbol?

Früher wurden Winterreifen mit den Buchstaben „ M+S“ oder „M&S“ auf der Flanke gekennzeichnet. M+S steht für Matsch und Schnee. Das Problem: dieses Symbol ist gar keine geschützte Kennzeichnung, sodass mitunter auch Reifen mit M+S deklariert wurden, obwohl sie gar nicht wintertauglich waren. Aus diesem Grund wurde die Definition von Winterreifen 2017 präzisiert.

Winterreifen, die seit dem 01. Januar 2018 (also ab DOT 0118) gefertigt werden, müssen auf Schnee und Eis genau definierte Mindestanforderungen erfüllen, damit sie das sogenannte Schneeflockensymbol tragen dürfen. Nur mit diesem Symbol, das einen dreigezackten Berg mit einer Schneeflocke zeigt, gelten die Reifen als Winterreifen. Andere Begriffe, die für das Piktogramm auch verwendet werden:

  • Three Peak Mountain Snowflake
  • 3 Peak Mountain Snowflake
  • 3PMSF
  • Alpine Symbol
  • Bergpiktogramm mit Schneeflocke
     

Für alte Winterreifen – also solche, die vor dem 31.12.2017 produziert wurden und nur die M+S Kennzeichnung tragen – gilt eine Übergangsfrist bis zum 30.09.2024.

Was bedeutet situative Winterreifenpflicht?

In Deutschland gilt seit 2010 die situative Winterreifenpflicht. Das heißt, es gibt keinen festgeschriebenen Stichtag. Die "O-bis-O-Regel" – von Oktober bis Ostern ist daher auch keine echte Regel, sondern nur ein Richtwert.

Die situative Winterreifenpflicht besagt: wer bei winterlichen Straßenverhältnissen – also bei Schnee, Eis oder Matsch – am öffentlichen Straßenverkehr (Geltungsbereich der StVO und StVZO) teilnehmen will, muss sein Fahrzeug mit Winterreifen ausrüsten. Herrschen also keine winterlichen Straßenverhältnisse, darf man auch in den Wintermonaten ohne Winterreifen fahren.

Das Problem an der Sache: der Winter lässt sich trotz Wetterbericht nicht in die Karten schauen und das Wetter kann sich schnell und unvorhergesehen ändern oder sogar während einer (längeren) Fahrt plötzlich verschlechtern. Wenn ihr also pokert und keine Winterreifen aufzieht, müsst ihr also damit rechnen, dass es euch „kalt erwischt“.

Apropos: wenn ihr mit unzulässiger Bereifung erwischt werdet, werdet ihr mit einem Bußgeld in Höhe von 60 Euro und einem Punkt bestraft (mit Behinderung steigt das Bußgeld auf 80€, bei Gefährung auf 100€ und bei einem Unfall auf 120€). Der Fahrzeughalter, der das Fahren mit unzulässiger Bereifung entweder anordnet oder zulässt, muss 75 Euro Strafe zahlen und bekommt ebenfalls einen Punkt in Flensburg.

Die Winterreifenpflicht gilt übrigens für alle Fahrzeuge, die mit Maschinenkraft bewegt werden, auch für Motorräder. Wohnwägen und Anhänger sind ausgenommen.

Welche Vorteile und Nachteile haben Allwetterreifen? Was taugen Ganzjahresreifen wirklich?

Allwetterreifen sind in aller Munde. Vielleicht habt auch ihr schon mal mit dem Gedanken gespielt, auf solche Pneus umzusteigen, um euch so den saisonalen Reifenwechsel zu sparen.

Wie der Name schon sagt, dürfen solche Ganzjahresreifen das ganze Jahr gefahren werden, auch im Winter. Dazu müssen solche Reifen ebenfalls mit M+S und dem Schneeflockensymbol markiert sein.

Ganzjahresreifen sind eine Mischung aus Sommer- und Winterreifen, sozusagen ein Kompromiss aus beiden. Und genau hier liegt der Hund begraben.

Es hat schon seinen Sinn, warum sich Sommerreifen und Winterreifen bei Gummimischung und Profil so stark unterscheiden. Auch wenn sich bei der Qualität von Ganzjahresreifen in den letzten Jahren viel verbessert hat: Winterreifen sind im Winter die bessere und sicherere Wahl.

Vorteile von Ganzjahrereifen:

  • Ganzjahresreifen sparen Zeit (und Geld), weil der Reifenwechsel im Herbst und Frühjahr entfällt
  • Ganzjahresreifen sparen Zeit, weil ggf. auch der Anlernprozess für das RDKS wegfällt
  • euch genügt ein Satz Felgen
  • ihr braucht keinen extra Platz, um die jeweils gerade nicht genutzten Sommer- bzw. Winterreifen einzulagern

Nachteile:

  • der Anschaffungswert ist höher, denn gute Ganzjahresreifen sind meist etwas teuer
  • der Spritverbrauch ist mitunter ebenfalls höher
  • der Gummiabrieb / Verschleiß und der Geräuschpegel sind bei Ganzjahresreifen höher
  • Ganzjahresreifen haben bei schneebedeckter, vereister Fahrbahn ein schlechteres Fahrverhalten als echte Winterreifen
  • auch im Sommer auf warmen Asphalt (egal ob trocken oder nass) sind Ganzjahresreifen gegenüber echten Sommerreifen im Nachteil

Ganzjahresreifen empfehlen sich also nur für Wenigfahrer, die keinen Skiurlaub (oder Ausflug in den heißen Süden) planen und zudem in Regionen leben, in denen es entweder selten starke Temperaturunterschiede und Schnee gibt oder das Auto im Fall der Fälle auch mal stehen bleiben kann.

Ein aktueller Test des ADAC urteilt übrigens: „nur 4 von 9 sind befriedigend“.

Darf ich mit Ganzjahresreifen ins Ausland fahren, z.B. in den Skiurlaub nach Österreich?

Dieser Fragen widmen wir demnächst noch einen eigenen Blogeintrag, um diese Thematik näher zu beleuchten. Aber schon mal vorab: es gibt keine Pauschalregel – im europäischen Ausland gibt es unterschiedliche Bestimmungen und Gesetze zur Winterreifenpflicht und oft sind sie sogar strenger als in Deutschland. Informiert euch daher also auf jeden Fall im Vorfeld, wenn ihr im Winter ins Ausland aufbrecht.

Wie viele Millimeter Profiltiefe müssen meine Reifen mindestens haben?

Wenn eure Reifen abgefahren sind und die Profiltiefe zu gering ist, helfen auch die besten Winterreifen nichts mehr. Das Gesetz schreibt mindestens 1,6 Millimeter vor. Wir empfehlen aber mindestens 4 mm –wie auch die Reifenhersteller und Automobilclubs wie der ADAC. Darunter verliert euer Reifen wichtige Eigenschaften und der Grip lässt spürbar nach.

Ideales Messinstrument ist übrigens eine 1 Euro Münze. Der Goldrand ist drei Millimeter breit. Haltet den Euro in der Mitte des Reifens einfach in eine Vertiefung des Profils. Wenn der goldene Rand der Münze verschwindet, habt ihr noch ausreichend Profil. Wenn das Gold sichtbar ist, sollte der Reifen bald ausgetauscht werden.

Woran erkenne ich das Reifenalter?

Auch alte Reifen gehören nicht mehr auf die Straße und stellen ein Sicherheitsrisiko dar, selbst wenn das Profil noch reicht. Mit der Zeit wird die Gummimischung spröde und der Reifen verliert seine Leistungsmerkmale. Ab einem Alter von 6 Jahren empfiehlt es sich, die Reifen regelmäßig auf Schäden wie Risse oder Ausbeulungen zu kontrollieren. Reifen, die älter als 8 Jahre sind, besser nicht mehr aufziehen.

Das Reifenalter bestimmt ihr ganz leicht über die sogenannte DOT Nummer, die auf jedem Reifen auf der Seite aufgedruckt ist. DOT ist die Abkürzung für „Department of Transportation“. Das amerikanische Verkehrsministerium verlangt diese Kennzeichnung bereits seit 1980. Inzwischen wird sie weltweit von den Reifenherstellern verwendet.

Die DOT Nummer ist heute vierstellig: die ersten beiden Ziffern geben die Produktionswoche an, die letzten zwei das Produktionsjahr. Der Reifen mit der DOT-Nummer „2518“ wurde beispielsweise in der 25. Kalenderwoche 2018 produziert.

Darf der Speed-Index meiner Winterreifen / Ganzjahresreifen unterhalb der Höchstgeschwindigkeit meines Autos liegen?

Ja, wenn du als Fahrer mittels Aufkleber im Sichtfeld oder über eine Displayanzeige über die reduzierte Höchstgeschwindigkeit der Reifen informiert wirst und du diese Höchstgeschwindigkeit natürlich auch entsprechend einhältst. Wenn das gegeben ist, kannst du beispielsweise Winterreifen mit dem Geschwindigkeitsindex „T" (bis zu 190 km/h) auch an dein Auto mit einer Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h montieren. Das ist deshalb gut zu wissen, weil Reifen mit einem geringeren Speed-Index in der Regel etwas günstiger in der Anschaffung sind.
Der Speed-Index ist als Kennbuchstabe auch auf eurem Reifen aufgedruckt. Diese Buchstaben sind nachfolgenden Maximalgeschwindigkeiten zugeordnet.

Speed-Index zul. Höchstgeschwindigkeit
F 80 km/h
G 90 km/h
J 100 km/h
K 110 km/h
L 120 km/h
M 130 km/h
N 140 km/h
P 150 km/h
Q 160 km/h
R 170 km/h
S 180 km/h
T 190 km/h
U 200 km/h
H 210 km/h
V 240 km/h
VR >210 km/h
W 270 km/h
Y 300 km/h
ZR >240 km/h

Wie lagere ich meine Sommerreifen bzw. Winterreifen richtig ein?

Es gibt ein paar einfache Grundregeln, damit eure Reifen unbeschadet und optimal gelagert die Saison überstehen, in der sie eine Pause einlegen dürfen.

  1. Luftdruck erhöhen: pumpt an der Tankstelle kurz vor dem Wechsel nochmal etwa 0,5 bar über dem empfohlenen Normaldruck in den Reifen, denn über die nächsten Monate verlieren sie wieder langsam an Druck. (Wer eine Luftpumpe fürs Auto zu Hause hat, kann diesen Schritt auch später nachholen.)
  2. Position markieren: Am besten schon bei der Demontage mit Wachskreide die Position markieren, wo die Reifen montiert waren (z.B. „VL“ für vorne links usw.).
  3. Auf Beulen/Risse überprüfen & Reifenalter/Profiltiefe kontrollieren: es macht schließlich keinen Sinn einen kaputten bzw. für die nächste Saison ungeeigneten Reifen einzulagern. Außerdem habt ihr jetzt genug Zeit, um einen Satz Ersatzreifen zu kaufen und steht dann beim nächsten Wechsel nicht vor einer bösen Überraschung. Bei dieser Kontrolle könnt ihr auch gleich Fremdkörper aus dem Profil entfernen (z.B. kleine Steinchen, die sich festgefahren haben).
  4. Felgen reinigen: Runter mit dem alten Schmutz! Verwendet dazu entweder eine milde Seifenlauge oder spezielle Felgenreiniger (erhältlich im APADIO Shop). Lasst die Räder dann vor dem Einlagern an der Luft vollständig trocknen.
  5. Lagerungsort: Reifen mögen es am liebsten kühl, trocken und dunkel. Die Garage oder der Keller sind daher meist ein guter Ort (außer es kommt dort zu großen Temperaturschwankungen). Achtet auch darauf, dass eure Reifen nicht mit Chemikalien, Fett, Schmier- oder Lösungsmitteln in Berührung kommen.
  6. Lagerungsweise von Reifen ohne Felgen: Reifen ohne Felgen solltet ihr grundsätzlich senkrecht stehend abstellen und regelmäßig (alle 1 bis 2 Monate) um ein Viertel drehen – so verhindert ihr Verformungen.
  7. Lagerungsweise von Kompletträdern: Reifen auf Felgen am besten an die Wand hängen oder waagrecht stapeln (aber nicht  mehr als 4 übereinander). Alternativ gibt es auch Felgenbäume.

Wenn ihr keinen passenden Platz habt: bei den meisten Reifenhändler und Werkstätten könnt ihr eure Räder gegen eine Gebühr fachgerecht einlagern lassen.

Bitte beachtet:

Bei all unseren Tipps und Anleitungen gilt: Bei konkreten Fragen steht euch das APADIO Team gerne zur Seite. Aber bitte überschätzt nicht eure Fähigkeiten und sucht im Zweifel lieber eine Werkstatt auf.

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